Montag, 27. Dezember 2010

Durch den winterlichen Mittleren Schlossgarten in Stuttgart


Der Mittlere Schlossgarten beginnt gleich beim Stuttgarter Hauptbahnhof und ist fast allen Stuttgarterinnen und Stuttgartern wohlvertraut. Nach den in den vergangenen Tagen gefallenen Schneemengen bietet der Mittlere Schlossgarten völlig neue Bilder. Ein kleiner Rundgang kann sich lohnen, vorausgesetzt, man ist warm angezogen. Der Rundgang ist ca. 2.2 Kilometer lang, die Wege sind geräumt.

Darüber hinaus ist der Widerstand gegen das Projekt Stuttgart 21 zur Zeit nirgendwo so präsent wie im Mittleren Schlossgarten. Es gibt also viel zu sehen in diesem mittelgroßen Parkgelände, das Teil einer viel größeren Parkverbindung von der Innenstadt bis zum Killesberg ist.

Vom Hauptbahnhof aus über den Südausgang oder von der Klettpassage aus gelangt man unmittelbar in den Mittleren Schlossgarten. In diesem Post wird ein Rundgang durch den Mittleren Schlossgarten entgegen dem Uhrzeigersinn beschrieben. Nach der Unterquerung der Straße "Im Schlossgarten" hält man sich dazu im Park halbrechts.

Baumhäuser im Mittleren Schlossgarten: die exponierteste Form des Widerstands gegen Stuttgart 21
Ein Plakat aus Österreich spricht Mut zu: bei Wien war in den Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein Donaukraftwerk geplant, das viele Kilometer wertvollste Flussauenwälder zerstört hätte. Nach erbittertem Widerstand der Wienerinnen und Wiener wurde das Vorhaben schließlich aufgegeben. An der Stelle des geplanten Kraftwerks befindet sich heute der Nationalpark Donau-Auen. Damit ist Wien eine der ganz wenigen Städte weltweit, auf deren Territorium sich ein Nationalpark befindet. Man wagt es noch kaum zu denken: welche Kreativität und welche positive Energie werden in Stuttgart frei werden, sobald das Projekt Stuttgart 21 gestoppt ist?     
Zelte, eingefasst von Pappe: alle Achtung vor denjenigen, die hier bei der aktuellen Kälte übernachten.
Der Widerstand gegen Stuttgart 21 ist kreativ, die Montagsdemonstrationen mit ihren Vorträgen zum Beispiel sind fast schon so etwas wie die wirkliche Volkshochschule. Manche Leute sind dadurch irritiert.
Die Mahnwache im Mittleren Schlossgarten ist ständig geöffnet.
Die Eberhardgruppe aus dem Jahr 1876: Graf Eberhard im Bart legt seinen Kopf auf den Schoß eines Untertanen. Dem liegt die Geschichte zugrunde, dass Graf Eberhard einmal gesagt haben soll, dass er bei seinem Volk so beliebt sei, dass er ohne Bedenken seinen Kopf in den Schoß eines jeden Untertanen legen könne. Auf diese Geschichte nimmt auch das Transparent des Stuttgart 21-Widerstands Bezug. Ob manche heutigen Landespolitiker dasselbe sagen könnten wie Graf Eberhard, wollen wir einmal sachte anzweifeln.  
Bei der Eberhardgruppe wendet man sich nach links und geht auf die schon sichtbare Pyramide des Planetariums zu.

Die Parkschützer, eine Gruppe innerhalb des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, haben alle Bäume nummeriert, die für das Projekt Stuttgart 21 gefällt werden müssten.
Das Stuttgarter Planetarium im Mittleren Schlossgarten
Man geht links am Planetarium vorbei und dann immer geradeaus.

Rechts des Wegs befindet sich ein Ruinenteil des ehemaligen Lusthauses. Seinerzeit war dies einer der prächtigsten Renaissancebauten Deutschlands. Das Ruinenteil wurde im Jahr 2010 aufwändig konserviert. Dahinter erhebt sich der Neubau des Innenministeriums zwischen Mittlerem Schlossgarten und Willy-Brandt-Straße. An diesen Riegel muss man sich erst einmal gewöhnen. Allerdings wird der Verkehrslärm der Willy-Brandt-Straße durch das neue Gebäude wirkungsvoll abgeschirmt. 
Der Winter vewandelt die Bäume in neue Gestalten.
Die Kälte hat den sogenannten Unteren See im Mittleren Schlossgarten vollständig zufrieren lassen. Da ist für Enten kein Platz mehr.
Man geht nun um den Unteren See herum und auf der Nordwestseite des Mittleren Schlossgartens wieder zum Hauptbahnhof zurück.

Man kommt am Gelände des sogenannten Schwarzen Donnerstags vorbei. Damit ist der 30. September 2010 gemeint, als hunderte von Polizisten teilweise mit Schlagstöcken, Wasserwerfern, Pfefferspray und körperlicher Gewalt Menschen zurückdrängten, die sich auf diesem Gelände aufhielten und gegen Stuttgart 21 demonstrierten. In der Nacht vom 30. 09. auf den 01.10. wurden hier wertvolle Bäume gefällt, um das sogenannte Grundwassermanagement für den Bau des Tiefbahnhofs von Stuttgart 21 einzurichten. Das Gelände ist heute stabil eingezäunt. Die Bauarbeiten wurden während der Schlichtung zu Stuttgart 21 eingestellt und sind bis heute nicht mehr wesentlich aufgenommen worden. Im Hintergrund sieht man den Hauptbahnhof mit dem Turm und dem Südflügel. Es ist kaum vorstellbar, dass der Südflügel, eines der wenigen historischen Gebäude, die Stuttgart noch besitzt, für Stuttgart 21 demnächst abgerissen werden sollen.  
Der Bauzaun war mehrere Wochen lang vollgehängt mit Plakaten gegen Stuttgart 21. Heute hängt hier noch ein Kranz mit der Inschrift: in tiefer Trauer, die Stuttgarter.
Damit ist man wieder am Ausgangspunkt des Spaziergangs durch den Mittleren Schlossgarten angekommen. Der Winter wird irgendwann vorbei sein. Der Widerstand gegen Stuttgart 21 dagegen wird bleiben und zum Erfolg führen! 

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Mitte. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Mitte befassen, verlinkt.

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