Montag, 10. März 2014

Durch die Bolzstraße in Stuttgart-Mitte

Die nur ca. 330 Meter lange Bolzstraße verläuft in der Stuttgarter Innenstadt vom Schlossplatz bis zur Friedrichstraße. Benannt ist die Straße nach Eugen Bolz (1881-1945), einem Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, der im Januar 1945 hingerichtet wurde. 

Früher hieß die heutige Bolzstraße Schlossstraße. Sie war eine Verlängerung der heute noch in S-Mitte und S-West verlaufenden Schlossstraße. An diesem Teil der Schlossstraße befand sich auch der erste Stuttgarter Hauptbahnhof.

Wie kommt man hin?
Startpunkt für den kurzen Spaziergang im Verlauf der Bolzstraße ist der Schlossplatz, erreichbar vom Hauptbahnhof über die Königstraße bzw. direkt mit den Stadtbahnlinien U5, U6, U7, U12 und U15. Man beginnt den Spaziergang zwischen dem Neuen Schloss und dem Kunstgebäude.


Im Verlauf der Bolzstraße unterwegs
Zunächst geht man an den Arkaden des Kunstgebäudes entlang. Daran schließt sich der Königin-Olga-Bau an. Dann kommt man zur Kreuzung der Bolzstraße mit der Königstraße. Auf dem Schlossplatz bei dieser Kreuzung befindet sich das Denkmal für Herzog Christoph. Die Kreuzung Königstraße/Bolzstraße wird dominiert vom Marquardtbau. An der zur Bolzstraße zeigenden Front des Königsbaus befindet sich ein Denkmal für Eugen Bolz. Im weiteren Verlauf sieht man einen Torbogen in einem Gebäude als Durchlass zur Stephanstraße.

Darauf folgt die Fassade des ersten Stuttgarter Hauptbahnhofs. Das Gebäude wurde nach der Verlegung des Bahnhofs ab dem Jahr 1922 zum UFA-Palast umgebaut. Vom Ende der Bolzstraße blickt man über die Friedrichstraße hinweg auf den Friedrichsbau. Wenn man nicht zurück zum Schlossplatz gehen will, könnte man hier zur U-Haltestelle Friedrichsbau hinabsteigen und mit den Stadtbahnlinien U9 und U14 zum Hauptbahnhof zurückfahren.    

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Mitte. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Mitte befassen, verlinkt.

Das Kunstgebäude am Schlossplatz wurde in den Jahren 1909 - 1913 errichtet, nachdem an dieser Stelle im Jahr 1902 das Gebäude des Hoftheaters abgebrannt ist. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in den Jahren 1956 - 1961 vereinfacht wiederaufgebaut. Die kupfergedeckte Kuppel mit dem Goldenen Hirsch ist das weithin sichtbare Zeichen des Gebäudes. Die Arkaden erinnern an die italienische Renaissance.  
Haupteingang zum Königin-Olga-Bau an der Bolzstraße bzw. beim Schlossplatz: Der heutige Bau wurde in den Jahren 1950 - 1954 errichtet, nachdem der in den Jahren 1893 - 1895 im neobarocken Stil errichtete Vorgängerbau im Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist. Der Haupteingang wird von wuchtigen Muschelkalkquadern umrahmt und von einem überdimensionalen bronzenen Pinienzapfen bekrönt.  
Denkmal für Herzog Christoph, Herzog von Württemberg (1515-1568), auf dem Stuttgarter Schlossplatz bei der Bolzstraße
Der nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete zweite Königin-Olga-Bau beherbergte viele Jahre lang die Dresdner Bank. Im Jahr 2013 begannen Umbauarbeiten, die bis zum Frühjahr 2014 andauern werden. Inzwischen wurden die Bürogeschosse an das Land Baden-Württemberg vermietet. In die Arkadenfront zur Königstraße (links im Bild) wird ein Modegeschäft einziehen. Die Front zum Schlossplatz (rechts im Bild) wird ein Brauhaus beherbergen. 
Die Bolzstraße ist nach Eugen Bolz benannt, einem deutschen Politiker der Zentrumspartei und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Eugen Bolz wurde am 21.12.1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23.01.1945 in Berlin-Plötzensee gehängt. Ein Denkmal für Eugen Bolz befindet sich an der zur Bolzstraße zeigenden Seite des Königsbaus. 
Der Marquardtbau trägt die Hausnummern Bolzstraße 4 - 6 und Königstraße 22. Das Gebäude wurde im Jahr 1896 errichtet und nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1950 vereinfacht wiederaufgebaut. Die Pracht des alten Gebäudes kann man heute kaum mehr erahnen. Trotz des vereinfachten Wiederaufbaus ist das heutige Gebäude ein Schmuckstück für Stuttgart und in allen Fremdenverkehrsprospekten vertreten. Schade, dass es die Stadtverwaltung bisher nicht geschafft hat, durch gestalterische Vorgaben in den Bebauungsplänen darauf hinzuwirken, dass bei Neubauten die Stuttgart-Identität berücksichtigt wird - so wie das der Bauherr beim Marquardtbau freiwillig gemacht hat.   
Durchlass von der Bolzstraße in die Stephanstraße: Die Stephanstraße sollte eigentlich mal als Entlastungsstraße für die an Einkaufs-Samstagen übervolle Königstraße ausgebaut werden. Leider hat jetzt ein Neubau, den man durch das Tor hindurch gerade noch sehen kann, mit einer hässlichen, schwarzen Stahl-Glas-Fassade jegliche Urbanität aus diesem Bereich verdrängt. Während andere Großstädte sehr wohl auf ihre Identität und ihr Erscheinungsbild achten und teilweise sogar historische Gebäude wiederaufbauen, scheint dies dem Stuttgarter Gemeinderat und der Stadtverwaltung mehr oder weniger egal zu sein. 
Fassade des ehemaligen Stuttgarter Hauptbahnhofs in der Bolzstraße: Bis zum Jahr 1922 war hier der Hauptbahnhof. Nach der Verlegung an den heutigen Standort wurde das Gebäude zum "UFA-Palast" umgebaut. Noch heute befinden sich Kinos in diesem Gebäude.
Blick von der Bolzstraße über die Friedrichstraße hinweg auf das in den Jahren 1990-93 errichtete Gebäude der L-Bank (Friedrichsbau). In diesem Gebäude war lange Jahre auch das Varieté beheimatet.

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