Sonntag, 15. Juli 2012

Die neue "Grüne Fuge" beim Stuttgarter Killesberg

Anfang Juli 2012 wurde in Stuttgart ein neues Stück Parkanlage eröffnet, die sogenannte Grüne Fuge beim Killesberg. Der Bau dieses Parkteils wurde nach dem Umzug der Messe vom Killesberg auf die Fildern und dem Abriss der alten Messehallen möglich. 

Die Grüne Fuge stellt die Verbindung zwischen dem Killesbergpark und der parkähnlichen Feuerbacher Heide her. Die Gestaltung der Grünen Fuge war und ist verbreiteter Kritik ausgesetzt. Selbst die Politiker, die das seinerzeit beschlossen haben, zeigen sich jetzt plötzlich überrascht.

Fangen wir mal mit etwas Positivem an. Es ist selbstverständlich anzuerkennen, dass nach dem Abriss der Messehallen nicht das gesamte Gelände einer Bebauung zugeführt worden ist. Ein relativ breiter Streifen zwischen dem Killesbergpark und der Straße Am Kochenhof sowie der Bereich südlich der Straße Am Kochenhof wurden von der zukünftigen Bebauung ausgenommen und einer Funktion als Parkanlage zugeführt.

Jetzt aber zur Kritik. Das sogenannte Grüne U, die Abfolge von Parkanlagen zwischen dem Schlossplatz in der Innenstadt und der Feuerbacher Heide werde durch die Grüne Fuge vollendet, so die Lobeshymnen der Stadtverwaltung. Das stimmt leider in zweifacher Hinsicht nicht. Im Gegensatz zu den trennenden Straßen im Verlauf des bisherigen Grünen U kann man die trennende Straße Am Kochenhof nicht mit einer bequemen Fußgängerbrücke überqueren, sondern muss an einer Lichtsignalanlage warten. Das Grüne U ist zudem nicht vollendet, sondern im Gegenteil durch die furchtbare Wunde des nicht zu realisierenden Projekts Stuttgart 21 in den letzten Monaten aufgerissen worden.

Dann sind die Wege in der Grünen Fuge als Hohlwege gestaltet. Die Wiesenflächen zwischen den Wegen sind als Erdhügel ausgeführt. Das mag zwar aus der Luft interessant aussehen. Für den Spaziergänger im Park taugt es jedoch relativ wenig. Überlegen wir uns einmal, warum man normalerweise einen Park aufsucht. Da wäre zum Beispiel zu nennen: zur Erholung, zum gemütlichen Spazierengehen, um stehenzubleiben und den Vögeln zu lauschen, zum Joggen, um sich auf eine Bank zu setzen, um gehen zu können ohne ständig auf den Boden sehen zu müssen und vieles andere mehr.

All diese Dinge kann man in der neuen Grünen Fuge nicht so recht tun. In der Grünen Fuge will man sich eigentlich gar nicht länger aufhalten. Das einzige Ziel, das man beim Betreten der Grünen Fuge hat, ist, möglichst schnell durchzukommen, möglichst schnell herauszukommen und in einen richtigen Park zu kommen.

Wie kommt man hin?
Die Stadtbahnlinien U5 und U12 fahren bis zur Endhaltestelle Killesberg. Man verlässt die U-Haltestelle auf der stadtauswärtigen Seite bei den Prellböcken. An der Oberfläche angekommen, kann man direkt in die Grüne Fuge gehen und leicht abwärtsgehend zum Killesbergpark weitergehen. Man kann auch die Straße Am Kochenhof mit Hilfe der Fußgänger-Lichtsignalanlage überqueren und den Teil der Grünen Fuge bei der Roten Wand begehen. Von dort führt eine neue Treppe aufwärts in Richtung Feuerbacher Heide. Oben findet man einen dritten Teil der Grünen Fuge.    

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Nord. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Nord befassen, verlinkt.

"Hohlweg" im neuen Parkteil der Grünen Fuge beim Stuttgarter Killesberg

Enger Hohlweg mit Wasserlauf in der Grünen Fuge: Vor allem Eltern mit Kleinkindern müssen hier höllisch aufpassen.
Neu angelegter See mit Uferzone am Übergang von der Grünen Fuge zum Killesberg
Parkteil der Grünen Fuge südlich der Straße Am Kochenhof
Grüne Fuge mit Aussichtspunkt Rote Wand im Hintergrund
An dieser Stelle stand bis vor wenigen Jahren ein Parkhaus.
Teil der Grünen Fuge oberhalb der Straße Am Kochenhof und unterhalb der Tennisanlagen des Tennisclub Weissenhof
 

Kommentare:

  1. Was genau ist denn mit "All diese Dinge kann man in der neuen Grünen Fuge nicht so recht tun." gemeint - gibt es Stolperfallen, sind die Wege zu eng, ist das Betreten der Rasenflächen verboten oder ist etwas anderes mit dem Park?

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    1. Ja, genau so verhält es sich. Das geht aus dem Bildmaterial auch so hervor.
      Die Wege sind zu eng und man kann keinen Zentimeter neben die Wege treten, denn dort beginnen die Rasensteilhänge.
      Neben dem Hauptweg verläuft ein Wasserkanal, der den Weg weiter verengt und der eine Stoperfalle ersten Ranges ist.
      Das Betreten der Rasenflächen ist meines Wissens nach nicht verboten. Ein Verbot erübrigt sich aber, denn wer will schon Rasensteilhänge erklimmen (zumindest beim Spazierengehen in einem Park hat man dazu nicht immer Lust, anders ist es, wenn man z.b. in den Allgäuer Alpen den Gipfel der Höfats besteigt).
      Die Wege sind labyrinthartig angeordnet. Weil die Rasenflächen ca. 1,5 Meter höher liegen als die Wege, hat man keine Übersicht über das Wegenetz. Wenn man z.B. von der Stadtbahnhaltestelle Killesberg zum Killesbergpark gehen will, muss man einen von mehreren Wegen auf gut Glück wählen und läuft dann aber Gefahr, in einer Sackgassenschleife zu landen. Dermaßen gefangen, bleibt dann für viele Spaziergänger doch nichts anderes übrig, als schimpfend den Rasensteilhang zu erklimmen und der Himmelsrichtung nach zum nächstgelegenen Weg zu klettern.

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  2. Ich hab gestern mal die neue Stuttgarter "Grüne Fuge" besichtigt und find die einfach nur grottig. Einige Spaziergänger hatten die Schnauze auch voll und sind verzweifelt über die Erdhügel geklettert. Echt schade, man hätte dort soviel Gutes machen können.

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