Mittwoch, 14. September 2011

Stuttgarts Seidenstraße - auf dem Weg zum Boulevard?


In der Stuttgarter Innenstadt bzw. im Stuttgarter Talkessel braucht es dringend zusätzliche attraktive Straßenzüge. Quer zur Königstraße gibt es zur Zeit kaum größere Straßen, die ein zweidimensionales Stadterlebnis zuließen. 

Heute wollen wir einen Spaziergang durch die Seidenstraße machen, ein Straßenzug, der zwischen Stuttgart-Mitte und Stuttgart-West verläuft. Und hierbei wollen wir uns fragen, ob die Seidenstraße das Zeug dazu hat, zukünftig ein quer zur Königstraße verlaufender Boulevard zu werden. Die Seidenstraße ist zumindest im Umbruch. Es gibt Baustellen, zum Abriss bereite Gebäude und Brachflächen, die auf eine Bebauung warten. Und es gibt auch bereits fertiggestellte neue Gebäude, die zumindest - man wird bei der heutigen Stuttgarter Architektur ja bescheiden - erträglich sind. Was jedoch vor allem auffällt, ist die uneinheitliche Gebäudelinie im Straßenverlauf. Ob hier irgendwann einmal eine ordnende, planende Hand sich erbarmt? Man wagt es kaum zu hoffen.

Die Seidenstraße beginnt beim Berliner Platz und endet wenige Meter hinter der Russischen Kirche. Den Berliner Platz erreicht man mit den Stadtbahnlinien U2, U4, U9 und U14 sowie mit den Buslinien 41 und 43. 

Blick vom Berliner Platz in die Seidenstraße: rechts hinter der Haltestelle der Stadtbahn befindet sich das Bosch-Areal, dessen aufgestocktes Eckgebäude das Gebiet aufgewertet hat. Im Bosch-Areal befinden sich heute Läden, Gastronomie, Wohnungen und Büros. Die Gebäude wurden in den Jahren 1906 bis 1914 errichtet und dienten als Fabrik für die Firma Bosch. Ab dem Jahr 1964 waren dort Behörden und Einrichtungen der Universität untergebracht. In den Jahren 1998 bis 2001 wurden die Gebäude grundlegend saniert und teilweise neugebaut, die Innenhöfe würden teilweise überdacht. Seit dieser Zeit ist das Gebiet ein angesagtes Stadtquartier.

Auf der Westseite der Seidenstraße gegenüber dem Bosch-Areal residierte bis vor wenigen Jahren die AOK. Nach dem Umzug der AOK stehen die Gebäude zum Abriss bereit. Auf dem großen Areal sollen hunderte von Wohnungen, Geschäfte und Büros entstehen. Der Baubeginn verzögert sich immer wieder und ist jetzt auf 2013 terminiert. Die Neubebauung bietet die Chance, diesen Teil der Seidenstraße zu einem Boulevard aufzuwerten, ein städtebauliches Gegengewicht zum Bosch-Areal zu schaffen und die Gebäudelinie im Straßenverlauf einheitlich zu gestalten.
Auf der Westseite der Seidenstraße ist vor einem Bürogebäude eine Baumallee und ein gegenüber der Straße erhöhter Gehweg vorhanden. Diese Situation passt überhaupt nicht zur Straßengestaltung in der Nachbarschaft. Der Gehweg muss auf das Niveau der Straße gebracht werden. Bei der Neubebauung des AOK-Geländes im Hintergrund muss die im Vordergrund vorhandene Situation entweder fortgeführt werden. Oder man muss den Gehbereich im Vordergrund später wieder umgestalten.

An der Ecke Seiden-/Forststraße wurde ein Gebäude des Krankenhauses Paulinienhilfe abgerissen. Hier entsteht nun das Mehrgenerationenhaus Paulinenpark. Dem Bauschild nach zu urteilen wird das neue Gebäude eine städtebauliche Aufwertung im Vergleich zum früheren Bestand bringen.
Eines der beiden Gebäude des Hotels Maritim auf der Ostseite der Seidenstraße

Auf der Westseite der Seidenstraße befindet sich die 1924 - 1925 erbaute Kirche St. Fidelis, die einen interessanten Atrium-Hof aufweist, auch Paradies genannt.

Wuchtig ist der Neubau des Diakonie-Klinikums Stuttgart an der Kreuzung Seiden-/ Rosenbergstraße. Die Proportionen des Gebäudes sind jedoch für seine Lage durchaus angemessen. Lediglich beim Vergleich mit einigen Nachbargebäuden und mit der noch etwas kleinen Straßenbreite der Seidenstraße schätzt man den Neubau als groß ein.

An der Kreuzung Seiden-/ Hegelstraße steht die Russische Kirche aus dem Jahr 1895. Wegen der beengten Platzverhältnisse besitzt die Kirche nur eine Zwiebelkuppel - und nicht fünf, wie in Russland üblich. 

Ebenfalls an der Kreuzung Seiden-/ Rosenbergstraße und schräg gegenüber der Russischen Kirche steht der durchaus ansprechende Neubau der Steuerberaterkammer Stuttgart. Rechts dahinter sieht man einen kleinen Teil der immer noch größten Brachfläche im Stuttgarter Talkessel zwischen Seidenstraße, Hegelstraße und Rosenbergstraße. Das Gebiet zwischen der Seidenstraße und dem Hegelplatz wurde im Zweiten Weltkrieg besonders stark zerstört.
Blick vom Ende der Seidenstraße von einer Treppe in Richtung Berliner Platz: noch ist bei den Gebäuden und bei der Straßenraumgestaltung einiges zu tun bis man sagen kann: voila, ein Boulevard quer zur Königstraße. 
Die Seidenstraße endet als Anliegerstraße vor einer Treppe. Es empfiehlt sich, vom Ende der Seidenstraße wieder zum Berliner Platz zurückzugehen, wenn baustellenbedingt möglich auf der anderen Straßenseite, auf der man gekommen ist. Die einfache Entfernung vom Berliner Platz bis zum Ende der Seidenstraße ist 780 Meter.

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-West. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-West befassen, verlinkt.

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Mitte. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Mitte befassen, verlinkt.

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