Montag, 22. Februar 2010

Durch den Landschaftspark Wernhalde



Der - nennen wir ihn mal so - Landschaftspark Wernhalde befindet sich ganz genau am südlichen Rand des Stuttgarter Talkessels. Im Süden erreicht er seine höchste Höhe direkt bei der Neuen Weinsteige, sein nördliches Ende ist bei der Rebmannstraße und Altenbergstraße. So recht weiß die Landeshauptstadt Stuttgart selbst nicht, wie sie dieses Gelände einordnen soll. In einem einschlägigen Prospekt über die Parkanlagen der Region Stuttgart ist das Gebiet nicht zu finden. Ebenso wenig habe ich den Park auf der Internetseite von Stuttgart gefunden.

Festzuhalten bleibt, dass es sich beim Landschaftspark Wernhalde um ein öffentliches Gelände handelt, das von Wegen durchzogen ist. Zum größeren Teil hat das Gelände einen parkartigen Charakter, im oberen Teil stehen die Bäume dichter. Bänke sind zahlreich vorhanden. Früher waren hier teilweise Gärten, die aufgegeben worden sind. Es gibt insgesamt fünf Eingänge zum Landschaftspark. Jedoch hat der Park - je nach Sichtweise - einen großen Nachteil: er ist steil, sehr steil sogar. Die Wege führen teilweise in Serpentinen nach oben. Sie sind mit grobem Pflaster belegt. Dadurch können sich die Schuhe festkrallen. Bei Schnee und Eis kann es trotzdem sehr rutschig sein. 


Die Steilheit des Parks hat jedoch auch Vorteile. Zum einen ist das die Aussicht auf die Stuttgarter Innenstadt, die sich von vielen Stellen - nicht allen - des Parks aus bietet. Und zweitens ist es hier selten überlaufen, vielfach wird man ganz allein unterwegs sein.

Neben der Steilheit und der Aussicht gibt es noch eine weitere Besonderheit des Parks. Das sind die Mammutbäume, die sich im oberen Teil des Parks befinden. Viele der heute in Stuttgart und Württemberg vorhandenen Mammutbäume gehen auf König Wilhelm I. von Württemberg zurück, der im Jahr 1864 ein Pfund Mammutbaumsamen kaufte. Die Bäume haben inzwischen für württembergische Verhältnisse unglaubliche Größen und Höhen erreicht. Beim Blick zum blauen Himmel hinter den grünen Nadeln und dem rotbraunen Baumstamm denkt man plötzlich an die Traumlandschaften der kalifornischen Sierra Nevada, der Heimat dieser Bäume. Dies ist kein Stuttgart-Gefühl, dies ist Exotik.

Diese Bäume sind Fremdlinge in unserer Heimat. Sie vermehren sich hier nicht auf natürliche Weise. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn in ihrer Heimat sind es die dort häufig auftretenden Waldbrände, die die Samen erst aufplatzen und zum Keimen kommen lassen. Ich bin deshalb der Ansicht, dass man heute in Deutschland keine jungen Mammutbäume mehr pflanzen sollte. Im Wernhaldenpark sieht man eine junge Pflanzung aus dem Jahr 1990. Dies halte ich nicht für gelungen. Die in Stuttgart bestehenden großen Mammutbäume sind ein historisches und kulturelles Zeugnis. Sie erzählen von einer Zeit, als das Vorkommen der riesigen Bäume an Amerikas Westküste in Europa bekannt wurde und als die Herrscher von Württemberg diese Baumwunder selbst anpflanzen wollten. Dieses kulturelle Zeugnis sollte man nicht durch neue Pflanzungen entwerten.

Man kann den Wernhaldenpark von oben her, vom Kesselrand aus erreichen. Hierzu fährt man mit den Stadtbahnlinien U5 und U6 bis zur Haltestelle Weinsteige. Zunächst überquert man die Neue Weinsteige mit Hilfe der Fußgänger-Lichtsignalanlage. Unmittelbar dahinter zweigt nach rechts abwärts die Römerstraße ab, die zunächst nur ein Weg ist. Nach einiger Zeit des Abstiegs mit schönem Blick auf die Stuttgarter Innenstadt nimmt man den ersten nach rechts abzweigenden Weg. Nach wenigen Metern ist man im Wernhaldenpark.

Der Wernhaldenpark wird durch zwei Klingen (Bachschluchten) gegliedert. Die Wege führen teilweise mit Brücken über sie hinweg. Von unten her erreicht man den Wernhaldenpark über die Rebmannstraße. Von der Bushaltestelle Zellerstraße aus geht man die Immenhofer Straße bergwärts bis zur Rebmannstraße. Wenige Meter nach dem Beginn der Rebmannstraße zweigt der Weg in den Park hinein ab. Man kann von der Bushaltestelle Zellerstraße aus auch zu einem weiteren Eingang kommen. Hierzu folgt man der Altenbergstraße aufwärts, bis nach rechts der Weg in den Park hinein abzweigt.

Zwei weitere Eingänge befinden sich oben an der Neuen Weinsteige. Sie sind jedoch nur etwas für Experten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man dort nicht hin, auch Parken ist schwierig. Leider gibt es vor Ort keinen Plan des Geländes und auch keine Schilder. Man muss somit im Park ein wenig ausprobieren und alle angebotenen Wege bis zum Ende gehen. Um alle Wege des Parks zu gehen, benötigt man ca. eine Stunde.


Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Süd. Von dort werden alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Süd befassen, verlinkt.

Blick vom Wernhaldenpark zur Neuen Weinsteige
 
Je nach Jahreszeit kann man sich auf einer der Bänke im Landschaftspark Wernhalde ausruhen.
Treppe im Landschaftspark Wernhalde
Mammutbäume im Landschaftspark Wernhalde

Eine Laptop-Tasche soll die Größe des Baumstamms eines Mammutbaums verdeutlichen.
Je höher man im Park kommt, desto besser wird die Sicht auf die Stuttgarter Innenstadt. Selbst an den steilsten Stellen wurden Bänke und Tische aufgestellt.

Blick vom Landschaftspark Wernhalde auf die Stuttgarter Innenstadt
Brücke in einer Waldschlucht im Landschaftspark Wernhalde

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